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Servus Edi…

Interessantes über unseren Fanclub Südkurve 73

notiert von Mitglied Hermann Wickenrieder  – er war bisher bei über 1000 Bayernspielen live dabei

 

Für die Chronik wolltest du wissen, was mir über die ersten Jahre unseres Fanclubs in Erinnerung geblieben ist. Deswegen habe ich ein wenig Zeit investiert und einfach begonnen in meinem Gedächtnis zu kramen und dabei ist mir folgendes eingefallen.

Die späteren Gründer des Fanclubs haben sich soweit ich weiß, z.T. schon seit ihren Besuchen der Bayernspiele im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße gekannt. An die Gründung eines Fanclubs wurde spätestens nach dem Umzug in das nagelneue Olympiastadion gedacht. Man traf sich immer vor dem Spiel am Samstag in irgendwelchen Kneipen, Biergärten oder an bestimmten Plätzen wie den Marienplatz. Deshalb bot es sich wohl an, das Ganze ein wenig organisierter zu gestalten und in einem Fanclub die Anhänger zu vereinen.

Zu Zeiten des Grünwalder Stadions war ich noch nicht bei den sog. „Wuidn“. So nannten nicht nur mein Bruder und ich diese Anhänger. Wir hatten einen Heidenrespekt und hielten lieber etwas Abstand. Erst im Herbst 1972, schon im Olympiastadion, stand ich zum ersten Mal in der Kurve. In diesem Spiel gegen Schalke, das wir mit 5:0 gewannen,  schoss Gerd Müller sein 200. Bundesligator.

An diesem Tag sind uns in der Kurve doch einige Typen besonders aufgefallen. Das lag u.a. an ihrem Aussehen, aber auch an ihrem ganzen Verhalten. Ich kannte zu dem Zeitpunkt sicher noch nicht von allen die Namen, aber sie sind dennoch erwähnenswert.

Da war der Willer Franz, der Billmeier Klaus, der Aumer Sepp, der Dieter Borchert alias „Quitschi“ und der Laumeier Wolfi den wir wegen seiner riesigen Bayernfahne ehrfürchtig nur mit „Chef“ ansprachen. Schon damals hatten viele einen Spitznamen, was sich auch bis heute fortführen ließe.

Uns hat es an dem Tag so gut gefallen, dass wir beschlossen von nun an immer bei den „Wuidn“ zu stehen. Allerdings sind wir zu der Zeit nur aufs Spui gegangen, da wir noch nicht allzu viel Geld hatten. Vorher oder sogar noch nachher war da einfach nicht drin. Noch nicht!

Erst im Juni 1973 nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Köln ging es so richtig los. Das Spiel endete mit  1:1 und Bayern wurde mit einem Rekordvorsprung von 11 Punkten Meister. Dieses Ereignis wurde von uns Fans im damaligen Mathäser bei einer zünftigen Meisterschaftsfeier begossen. Unter Mathäser darf man sich nicht das heutige Multiplex-Kino vorstellen. Ganz im Gegenteil. Es war eher sowas wie das Hofbräuhaus, aber schon damals mit Kino. Die Mathäser-Bierstadt. Mit riesigem Festsaal, die Schwemme und verschiedenen Restaurantbereichen. Für uns gab’s da oft was zu feiern.

Im Herbst 1973, ich glaube es war beim Spiel gegen Wuppertal, ging ein Rundschreiben durch die Fankurve. In diesem wurde angekündigt, dass man einen Fanclub mit dem Namen „Südkurve 73“ gründen wird. Den genauen Termin und Ort der Gründung kannst du vom Klausi erfragen. Ich selbst konnte mich 1973 noch nicht dazu aufraffen Mitglied zu werden. Ich wollte erstmal die Entwicklung abwarten. Zudem kannte ich die Leute meist nur vom Sehen und nicht so sehr persönlich. Aber das änderte sich später schnell.

Ein Highlight 1973 war für einige Leute aus dem Fanclub der Kinofilm „Libero“. In diesem ging es um unseren Franz Beckenbauer. Dieser spielte sich selbst, genauso wie in einer Filmszene u.a. folgende Fanclubmitglieder sich selbst darstellen durften: Klausi, Willer Franz, Quitschi, sowie Ralf Kretzer alias „Detlef“. Diese Hauptdarsteller waren sogar zur Premiere des Films eingeladen. Im Dezember 1973, nach dem letzten Vorrundenspiel gegen Gladbach 4:3, fand die Aufführung in einem Kino in der Sonnenstraße statt. Viele der restlichen Fans begleiteten unsere Filmstars. Wir warteten vor dem Eingang auf dem imaginären roten Teppich auf die Prominenz. Da gab es zu unserer Freude mit etlichen Bayernspielern ein großes Hallo.

Im April 1974 habe ich mein erstes Bundesliga-Auswärtsspiel gemacht. Es ging nach Stuttgart gegen den VfB. Ich war als kleiner Junge bzw. Heranwachsender schon bei den DFB-Pokalendspielen 67, 69 und 71 gewesen. Dazu hatten mich mein Onkel und mein Vater mitgenommen. Diesmal hatten wir im Zug keinen Sitzplatz in den Abteilen gefunden, also die ganze Meute ab in den Speisewagen. Du kannst dir ja vorstellen was da abging. Schon in Augsburg gab es die erste Ermahnung vom Schaffner. Ein Typ sagte zum Schaffner er solle gefälligst aufpassen sonst fliegt er ganz schnell aus dem Zug. Dieser Typ war wohl auch nur ein Mitläufer, jedenfalls wurde er bei uns nicht berühmt. Es gab zu der Zeit auch schon ein Kommen und Gehen. Die Bahnpolizei war noch nicht so präsent, lediglich in Ulm standen einige von denen auf dem Bahnsteig und wollten aus sicherer Entfernung für Ruhe sorgen. Als der Zug endlich in Stuttgart ankam, holte uns der Klausi vom Bahnhof ab. Er war zu dieser Zeit in Bruchsal beim Bund. Das Spiel endete 1:1 und er haute mit uns nach München ab. Somit nahm er sich einige Tage Sonderurlaub. Als Südkurvengründer konnte man sich das schon erlauben. Die Feldjäger sahen die Sache jedoch ganz anders und er musste, nachdem sie ihn aufgegriffen hatten, einige Tage in den Bunker. Da sieht man mal, sogar für Fahnenflüchtige hat die Bayernliebe gesorgt.

Im Mai 1974 stand dann am 14./15. ein Großereignis für uns alle an. Wir gingen mit dem Sonderzug auf Fahrt Richtung Brüssel zum Europa-Cup-Finale gegen Atletico Madrid. Es war für die Meisten wohl die erste große internationale Auswärtsfahrt mit den Bayern. Das Ergebnis ist ja wohl jedem bekannt. Dank „Katsche“ Schwarzenbeck und seinem Gewaltschuss wurde eine Niederlage gerade noch verhindert. Zwei Tage nach diesem 1:1 gewannen unsere Bayern das Wiederholungsspiel mit einem souveränen 4:0 den Europapokal der Landesmeister. Natürlich blieben einige Eisenharte auch zu diesem Spiel in Brüssel, um dann einen Tag später in Gladbach das Bundesligafinale zu erleben. Dieses 0:5 unserer Helden war dann eigentlich das Alkohol-Ausnüchterungsspiel für die Mannschaft und alle „betroffenen“ Fans. In München, abends auf dem Marienplatz, fand dann die Doppelfeier für den Gewinn des Europapokals und der Deutschen Meisterschaft statt. Als die Mannschaft endlich erschien, war ich auch auf dem Marienplatz um mitzufeiern. Während des Wartens und aufgrund der großen Anzahl der Fans, aber auch wegen der drückenden Enge, gab es immer wieder mal Reibereien, so manchen Aussetzer und kleinere Raufereien. Grad schee wars!

Zu einem weiteren Höhepunkt im Dezember 1974 kam es auf meiner ersten Fahrt nach Hamburg. Im Stadion lernte ich Helmut Oediger aus Hilden bei Düsseldorf kennen. Daraus entstand eine enge Freundschaft. Überhaupt kam ich bei diesem Auswärtsspiel der Créme de la Créme etwas näher. Dabei waren natürlich Leute wie z. B. Reichenhaller, Hausner Max, Zillig Hans und der Falk. Desweiteren der Motz Rudi, der dicke Asam und Toni Spitzentränker, der später wegen dieser Tour nur mehr „Reiseführer“ genannt wurde. Das Wetter in Hamburg war wie so oft kalt und schmuddelig. Was willst du aber im Dezember anderes erwarten. Das Spiel wurde 0 : 1 verloren. Das Interessanteste bei dieser Reise war sowieso die Nacht beim St. Pauli-Bummel. Diese verbrachten wir u.a. im Zillertal, damals eine beliebte Anlaufstation von uns. Zu vorgerückter Stunde, voll wie die Haubitzen, führten wir eine Polonaise ins Scheißhaus durch. Die seriösen Gäste kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dies war unser gebührender Abschluss des Erfolgsjahres 1974.

Anfang 1975, noch im Winter, wurde Udo Lattek von Dettmar Cramer abgelöst. Es ging erstmal mit einigen Bayernpleiten weiter. Zu Hause gegen Offenbach 2:3 und in Berlin 1:4 gegen die Hertha. In beiden Spielen erzielte „Kaiser“ Franz jeweils ein wunderschönes Eigentor. Wenige Zeit später war ich beim 0:1 in Köln dabei. Das Spiel fand Ende Februar oder Anfang März noch in der Radrennbahn statt. Gerd Müller spielte Libero, weil der Franz verletzt war. Aus München waren wir nur eine Handvoll Fans. Willer Franz, Mucki und der Luggi waren ziemlich volltrunken. Der Luggi kotzte im Stadion einen Zuschauer voll an. Das Spiel selbst interessierte die Meisten nicht so sehr. Denn nach dem Spiel waren wir in einer Kölner Fankneipe verabredet. Es existierte sogar sowas wie eine Art Fanfreundschaft mit den Kölnern.

Der Höhepunkt 1975 war wieder das Europapokal-Finale. Der Sonderzug brachte uns diesmal nach Paris zum Spiel gegen Leeds United. Wir fuhren mit einem reinen Liegewagenzug. In den Abteilen konnte man mangels Platz schlecht frühstücken. Das Frühstück war aber in der Reise inbegriffen. Dazu wurden kleine Tischchen für die Tabletts aufgebaut und der Zug stoppte mitten in Frankreich für eine Stunde auf irgendeinem Bahnhof, damit in Ruhe gegessen werden konnte. Die Planer dieser Aktion erfuhren sehr schnell, dass dies ein Fehler war. Nach erfolgter Kräftigung lagen all die Tabletts und jeglicher Abfall völlig sinnlos auf dem Bahnsteig herum. In Paris angekommen, gab es eigentlich nur eine Hauptaufgabe. Es wurde den ganze Tag gesoffen. Ich selbst war vor dem Spiel so fertig, dass ich am liebsten eingepennt wäre. Das ging aber dann doch nicht. Vor dem Stadion war dann mächtig was los. Als wir auf den Einlass warteten, habe ich nicht mal mehr gespürt, dass ich einiges von den Leeds-Fans abbekommen hatte. Scheppern hatte ich es zwar gehört, aber gespürt habe ich es zum Glück nicht. Naja, es ist ja allgemein bekannt, was damals in Paris los war. Letztendlich sind wir aber dann doch wieder gut in München angekommen. Vom Bahnhof sofort ins Hofbräuhaus. Bei der Feier lernten wir so nebenbei den Wirt einer Kneipe aus der Blutenburgstraße kennen. Dieser lud uns dann abends zum Freibier in seine Kneipe ein.

Erwähnenswert aus dieser Zeit ist noch folgendes Ereignis, weil es die 70er Jahre in München dokumentiert. Wenige Wochen vor dem Finale hatten wir ein Heimspiel gegen TeBe. Nach dem 3:1 fuhren wir auf das Frühlingsfest um ein wenig zu feiern. An diesem Tag hatten allerdings einige „Valley-Rocker“ etwas dagegen. Sie machten regelrecht Jagd auf uns. Nicht einmal der befreundete „Black-Spider“-Scheibenpflug Sepp mit seinen Leuten konnte uns gegen die „Valleys“ helfen.

Im Juni 1975 war ich zum ersten Mal in Düsseldorf. Es war ein verrücktes Spiel, das letztlich  6:5 für die Fortuna endete. Zur Halbzeit mussten wir vor einer Übermacht der Fortuna-Fans flüchten. Diese waren aufgebracht, da unsere Bayern noch 4:2 führten. Gerd Müller schoss hierbei drei Tore. Wir also auf die Haupttribüne. Dort saß dann so ein Dicker, der sich mit einigen von uns ganz gut unterhielt. Ich kannte ihn noch nicht, es stellte sich aber heraus, dass er Jacky hieß. Er war dann ab dem Sommer 1975 regelmäßig mit uns dabei.

Im letzten Heimspiel der Saison 74/75 verloren wir 0:1 gegen den HSV. Unsere Mannschaft erreichte somit nur Platz 10. Der Mob tobte und allseits bekannt ist das Bild vom einsatzbereiten Feuerlöscher.

Im Jahr 1974 und 1975 war unser „Fanclub-Lokal“ das „Karl-Theodor“ in Schwabing. Wir trafen uns dort hauptsächlich vor den Spielen, aber zumindest auch einmal während der Woche.

Erwähnenswert für 1975 ist auch meine erste Fahrt nach Berlin. Es war wie ein Jahr zuvor in Hamburg schweinekalt. In den Kneipen aber, vor allem im „Kik-rin“ war es ganz gut auszuhalten. Da machte es nichts, dass wir das Spiel 1:2 verloren hatten. Auf der Rückfahrt im Zug nach München, meinte dann ein Vopo, der von unserer Niederlage gehört hatte, die Fahrt hätte sich ja gar nicht gelohnt. Ich erwiderte ihm mit Nachdruck, dass sich Berlin immer lohnt. Da sieht man mal, dass sich sogar die Vopos für unseren FC Bayern interessierten. Zu diesem Spiel wurde zum ersten Mal auch ein Fanbus der Südkurve 73 durch Peter Dominitzki organisiert. Dazu wissen andere sicher mehr.

Nach der Winterpause 75/76 bekamen wir im „Amberger Hof“ einen Nebenraum reserviert. Von da an war mittwochs ganz offiziell immer Fanclub-Sitzung. Dort trafen wir uns auch samstags vor und nach den Spielen. Mehr und mehr übernahm Peter Dominitzki die Leitung. Es wurden Faschingspartys organisiert. Sowas kannten wir vorher gar nicht. Spieler, Trainer und Manager des FC Bayern wurden eingeladen. Sie kamen tatsächlich auch gerne. Die Mitgliederzahl wuchs und wuchs. Schlichtweg alle waren begeistert. Sogar andere Fans unserer Gegner besuchten uns ab und zu. Leider dauerte dieses Intermezzo im „Amberger Hof“ nur das erste Halbjahr 1976. Beim letzten Saisonspiel gegen die Hertha ging es wohl ein wenig zu toll zu. Der Wirt wollte uns nicht mehr weiter dulden. Genaueres kann ich hierzu nicht sagen, da ich an diesem betreffenden Tag nicht im Lokal war. Ich zeigte lieber einer Berliner Freundin die schönen Dinge von München.

Für einige Wochen fanden wir Aufnahme in einer Gaststätte im Westend. Ich glaube sie hieß „Hohenburg“. Im Oktober oder November bezogen wir dann die Räumlichkeiten in der Parkstraße. Hier sollten wir dann über zwei Jahre bleiben.

Im September 1976 war wieder eine Berlinfahrt angesagt. Viele von uns fuhren wieder mit dem Bus. Es war auch ein Fußballspiel gegen die Hertha-Fans vereinbart. Dieses verloren wir sang-und klanglos mit 0:13. Das kommt davon wenn man mit null Schlaf und viel Promille antreten muss. Wenigstens unsere erste Mannschaft erkämpfte sich ein 1:1 gegen die Hertha. Wir hätten ja eigentlich 1:0 gewinnen müssen, aber ein unberechtigter Elfer brachte den Berlinern noch einen Punkt. Später im Oktober war ich dann noch zum ersten Mal in Bremen. Unsere Bayern erzielten einen 3:2 Sieg. Bei diesem Spiel gab‘s nichts außergewöhnliches, außer dass wir im Wienerwald ziemlich abgestürzt sind. Danach fand auf der Rückfahrt im Zug ein kleiner Kotzwettbewerb statt. Ja ja, das Wienerwald-Essen war wohl schlecht.

Anfang des Jahres 1977 spielte im DFB-Pokal die 1. Mannschaft gegen unsere Amateure. Die Profis gewannen 5:3 und erreichten die nächste Runde. In diesem Viertelfinale spielten wir im Februar gegen die Hertha in Berlin. Das war dann die uferloseste Busfahrt, die ich je mitgemacht habe. Freitagabend gegen 10 Uhr war in München Abfahrt. An der Grenze zur DDR hatten wir einen Zwei-Stunden-Zwangsstopp um gewisse Ungereimtheiten zu bereinigen. Gegen einige wurde Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Weil in einer Kneipe an der Grenze angeblich einiges zu Bruch ging. Nachdem wir endlich weiterfuhren, kam es schon bald zum nächsten Zwangsaufenthalt. Ursache war eine Pause an einem sog. Intershop. Diese sollte nur kurz andauern. Aber auch hier ging wie durch eine seltsame Fügung etliches zu Bruch. Es fehlten auch u.a. diverse Spielzeuge und Matchboxautos. Die Vopo kam, fand das gar nicht lustig und wir durften erst nach zwei Stunden weiterfahren. Aufgrund dieser Umstände sind wir erst um halb drei, also eine Stunde vorm Spiel, in Berlin angekommen. Dort erlitten wir dann bald die nächste Enttäuschung. Nach unserer 2:1 Führung glich die Hertha kurz vor Spielende noch aus. Nach Verlängerung verlor Bayern 2:4 und schied somit aus dem Pokalwettbewerb aus. Wenigstens war es nach dem Spiel noch recht lustig, auch wenn wir nichts zu feiern hatten. Gegen zwei Uhr morgens warteten wir am Bahnhof Zoo auf unseren Bus für die Rückfahrt nach Hause. Zum Zeitvertreib fing ich an eine Blechbüchse herumzubolzen. Es dauerte nicht lange und alle spielten mit. Unser Spielort war die geflieste Bahnhofshalle, womit ein Höllenlärm entstand und wir wieder eine Mordsgaudi hatten. Die Rückfahrt verlief dann einigermaßen gesittet. Lediglich bei der Mittagspause, in einer Raststätte schon wieder auf Westgebiet, kam es zu einer kleinen Überschwemmung in den Toiletten im Keller. Als wir am Sonntagnachmittag in München eintrafen, hatten einige sogar noch Lust weiter zu feiern. Sie stürzten sich in das Faschingstreiben, da idealerweise Faschingssonntag war.

Im Frühjahr 1977 erfasste viele Bayern-Fans eine große Traurigkeit. Es wurde bekannt gegeben, dass unser Franzl Beckenbauer die Bayern verlassen will. Er wollte über den Teich nach Amerika und dort für Cosmos New York spielen. Zum Abschied schaffte er im letzten Saisonspiel gegen Gladbach, mit einer weiten Hereingabe beim Stand von 1:2 , ein Eigentor durch die Borussia zu provozieren. Damit stand es am Ende 2:2 und Bayern blieb gegen die Borussen zu Hause weiterhin ungeschlagen.

In der Vorrunde der folgenden Saison 77/78 begann in Gladbach mit dem 0:2 eine Niederlagen-Serie von fünf Spielen in Folge. Zu dieser Auswärtsfahrt nach Gladbach fuhren einige neue sog. schwierige Typen aus dem Westend mit. Diese hatten wir zeitweise in den Fanclub integriert. Es handelte sich dabei um „Spider-Heinz“ und Co. Mit dieser Verstärkung „erwarben“ unsere Fans in der Gladbacher-Kurve eine breite Palette an Fanartikeln. Danach konnte man direkt glauben sie seien selber Gladbach-Fans. Dieser Umstand wurde abends in der Düsseldorfer Altstadt einigen Unvorsichtigen, die zum 2:0 Sieg gegen die Bayern gratulierten, zum Verhängnis. Man sollte halt auch auf die Sprache achten und dabei aufpassen mit wem man in Kontakt tritt, sagten einige. Ich selber war bei dieser Fahrt nicht dabei, aber die Story ist ja allgemein bekannt. Bei den Niederlagen zu dieser Phase verloren wir leider auch das Derby 1:3 gegen den Vier-Zahlen-Verein. Das war zwar ernüchternd, aber die rote Karte für „Kalle“ Rummenigge und die Geschichte darum, war den Spielbesuch dennoch wert. Während des Spiels hatte er Beppo Hofeditz geohrfeigt. Grund der Watschn war, dass Hofeditz zum „Kalle“ Bayernschwein gesagt haben soll. Das lässt sich weder Fan noch Spieler der Bayern gefallen.

Die Negativ-Serie unserer Bayern führte zur Entlassung Dettmar Cramers. Als neuer Trainer wurde der Ungar Gyula Lorant verpflichtet. Wir Mitglieder der Südkurve 73 ließen das wenig berauschende Jahr 1977 mit einer Wahnsinns-Silvesterparty im Clubheim ausklingen.

Gleich zu Beginn der Rückrunde 1978 starteten viele Mitglieder unseres Fanclubs zu einigen Auswärtsspielen. U.a. nach Köln 0:2 und Bochum 1:2. In Bochum nahm eine ziemlich intensive Freundschaft zu den VfL-Fans seinen Anfang. Die Bochumer Jungen und die Südkurve 73 verstanden sich prächtig. In der Fankneipe der Bochumer ging es hoch her. Damals war auch ein Typ dabei, der recht ruhig war und genüsslich seine Bierchen trank. Er machte einen sehr gemütlichen Eindruck. Später einmal gab er sich als Jakob Wimmer zu erkennen und war fortan immer öfter mit dabei. Im März bei der 1:1 Pleite bei Hertha BSC sorgte er schon für Schlagzeilen. In einer Disco wurden ihm im Tiefschlaf seine Schuhe gestohlen. Da er damals meistens Clogs trug, war dies wohl auch sehr einfach. Später fragte er auf der Bahnhofsmission nach ein Paar Schuhen, da er nicht die restliche Heimfahrt ohne sein wollte. Ich war abends nach diesem Spiel mit Hausner Max und einigen anderen, auch Berliner waren mit dabei, in einem Wirtshaus in der Nähe von Holst am Zoo. Insgesamt waren wir ca. 20 Leute und wir hatten recht viel Spaß. Keine Ahnung wieso, auf einmal rief einer auf geht’s raus hier und die ganze Meute lief ihm ohne zu Bezahlen nach. Bis zum Sommer sind mir dann keine größeren Aktivitäten mehr bekannt. Das Einzige war mal ein Spanferkel-Grillen, ich denke das war in diesem Jahr, vielleicht aber auch schon 1979.

Im Juli 78 in der Sommerpause fuhr unsere Fanclub-Fußballmannschaft samt Anhang nach Basel. Dort spielten wir beim internationalen Fanclub-Fußballturnier mit. Wir gewannen sogar das Finale mit 4:0 gegen die Fans von Arminia Bielefeld. Durch dieses Turnier fanden wir wieder neuer Freunde, vor allem mit den Bielefeldern wurde der Kontakt gepflegt. Eine negative Seite bei diesem Turnier war lediglich unsere Begegnung mit Löwen-Fans aus dem Allgäu. Dieses Aufeinandertreffen führte bald zu einer Eskalation.

Im September 78 spielte Bayern beim Aufsteiger Bielefeld. Durch den Kontakt zu den Arminen seit dem Turnier fuhr eine große Anzahl von uns nach Westfalen. Schon in den Morgenstunden waren die Kneipen durch uns alle gut besucht. Man kann es kaum glauben, nach fast zwei Jahren ohne Bundesliga-Auswärtssieg, gewannen wir das Spiel. Die Tore zum 2:0 schossen Janzon und Gerd Müller. Endlich traf er wieder in der Ferne.

Leider war im Spätherbst abzusehen, dass wir unsere Räume in der Parkstraße aufgeben mussten. Der Pachtvertrag war wohl abgelaufen und wurde nicht mehr erneuert. Wir erhielten jedoch ein neues Haus in der Schlierseestraße in Giesing. Die Silvesterparty 78/79 wurde schon in den neuen Räumlichkeiten gefeiert. Rückblickend kann man behaupten, dass die Ära Parkstraße der absolute Höhepunkt unseres Fanclubs war. Wir hatten die meisten Mitglieder, feierten die größten Partys und führten eine Menge Unternehmungen durch.

Im März 1979 fand im Stadion an der Grünwalderstraße ein „Freundschafts“-Derby statt. Es musste Geld für eine Renovierung eingenommen werden. Die alte Stehhalle sollte mit den Geldern zur Sitztribüne umgebaut werden. Das Spiel endete friedlich 1:1 unentschieden. Die Fans jedoch lieferten sich ganz schöne Kämpfe mit etlichen Verletzten. In der Halbzeit wurde sogar unten auf dem Rasen herum geschlägert. Randale gab es auch in Darmstadt beim 3:1 Sieg der Bayern. Ebenso in Nürnberg beim 2:4 ging in einer Kneipe so einiges zu Bruch. Im letzten Saisonspiel in Hamburg, der HSV stand als Meister schon fest, gewannen die Bayern 2:1. Bei den Meisterfeierlichkeiten des HSV wurden viele Hamburger-Fans verletzt, beim Versuch nach Spielende die Zäune einzureißen bzw. darüber zu klettern. Uns selbst berührten diese Ereignisse eher weniger. Wichtiger war, dass abends bei Freund Hans Zillig eine fetzige Party angesagt war. Wie so oft stürzten einige von uns sowie verdientermaßen der Gastgeber auch diesmal total ab.

Im Sommer war wieder mal ein Fanclub-Turnier angesagt. Dieses Mal fand es in München auf der Anlage des SV 1880 in der Tübingerstraße statt. Sportlich wurden wir nicht berühmt, die Konkurrenz war einfach zu stark.

Da sich der FC Bayern wieder für einen internationalen Wettbewerb (UEFA-Cup) qualifiziert hatte, fuhr man in großer Zahl zum Auswärtsspiel nach Prag, wo es gegen die Bohemians ging. Für die meisten war es das erste Spiel hinter dem Eisernen Vorhang im sog. Politischen Osten. Durch den Schwarzumtausch unserer D-Mark war es natürlich total billig für uns. Das Schwarzbier im „U’fleckn“ floss in Strömen. Es wurden Freundschaften mit vielen DDR lern geschlossen. Diese hatten sich alle zu den Bayern bekannt. Diese erfolg- und erlebnisreiche Fahrt wurde mit einen 2:0 Sieg der Bayern gekrönt. Ein weiterer Höhepunkt wurde die Fahrt nach Aarhus in Dänemark. Dort spielten wir in der zweiten Runde. Diesmal war ich jedoch nicht dabei. Erst im Dezember gegen Roter Stern Belgrad fuhr ich wieder mit. Wir waren, ich schätz mal, mit 50 bis 60 Leuten vertreten. Gegen die 94000 Belgrader war das natürlich keine einfache Aufgabe. Nach einer zwischenzeitlichen 3:0 Führung von Roter Stern, sah alles schon nach einem Ausscheiden aus. Doch dann schlug Dieter Hoeneß zweimal zu und rettete unserer Mannschaft somit das Weiterkommen. Groß bejubeln oder gar feiern, konnten wir Wenigen das gar nicht. Die unverhohlenen Drohgebärden der Einheimischen ließen in uns eher Vorsicht walten. Auch am Bahnhof hatten einige von uns massive Schwierigkeiten mit der Polizei, da diese die Jubelgesänge von Bayern-Fans nicht dulden wollte. Auf der weiteren Rückfahrt gab es immer wieder diverse Zwischenfälle. Endlich wurde dann in Villach ein Speisewagen angehängt, so dass alle Mann die Chance nutzten und bis Salzburg sämtliches Bier wegsoffen.

Im März 1980 organisierte Peter Dominitzki einen Sonderflug nach Berlin zum Spiel bei der Hertha. Das bewog viele von uns zum ersten Mal organisiert zu einem Spiel zu fliegen. Damals flog nur PanAm Westberlin an. Die Maschine brachte ca. 35 von uns zu einem erschwinglichen Preis nach Berlin-Tegel. Der Letztplatzierte der Bundesliga-Tabelle Berlin trotzte dem Tabellenführer Bayern beim 1:1 sogar einen Punkt ab. Dennoch wurden wir am Ende Deutscher Meister und die Hertha stieg leider ab. Der Rückflug nach München war erst am Sonntagabend geplant. Viele nutzten diesen Sonntag um nach Ostberlin rüber zumachen. Man fuhr mit der S-Bahn bis Friedrichstraße. Dort musste man zu Fuß durch das Gebäude bis zum Grenzschalter gehen, da man ja den Westsektor Richtung Ostberlin verlassen wollte. Sie zwangen uns sogar den Geldumtausch in Höhe von 6,50 DM für 6,50 Alu-Chips auf. In Ostberlin traf man sich dann mit DDR-Freunden und ging der gewohnten Geselligkeit nach. Der ein oder andere kam ziemlich angeheitert zurück und schaffte es gerade mal so zum Flughafen Tegel.

Im April wurde dann das Derby gegen den Turnverein nachgeholt. Der eigentliche Spieltag war wegen eines plötzlichen Wintereinbruchs abgesagt worden. Das mussten die chancenlosen Mitbewerber bitter mit einem 6:1 für unsere Mannschaft bezahlen. Dies war der höchste Bundesliga-Derbysieg überhaupt. Als dann am letzten Spieltag mit einem 2:1 über Braunschweig die Meisterschaft perfekt war, stürmten tausende Fans den Rasen. In der Euphorie wurden sogar die Tore abgebaut und davongetragen.

Das allseits beliebte sommerliche Fanclub-Turnier führte uns dieses Mal nach Dietikon, einer Kleinstadt in der Nähe von Zürich. Dieses Mal trafen wir im Spiel um Platz 3 auf die Fans von Arminia Bielefeld. Leider unterlagen wir mit 0:2 und belegten somit nur den 4. Platz.

Als ein „heißes Spiel“ stellte sich das Europacup-Match in Amsterdam dar. Die Ajax-Fans machten regelrecht Jagd auf die Bayern-Fans. Besonders im Stadionbereich ging es mächtig rund. Dieses Nebenspiel konnten die Amsterdamer knapp für sich entscheiden. Im sportlichen Bereich verlor unsere Mannschaft zwar mit 1 : 2, aufgrund des hohen Hinspielergebnisses kamen wir eine Runde weiter.

Mehr nennenswerte Storys aus diesem Jahr sind mir nicht bekannt. Nur dass der Fanclub wieder mal in neue Räume umziehen musste. Das Gelände am Giesinger Bahnhof musste freigegeben werden, da dort von der Stadt gebaut werden sollte. Diese stellte uns als Ersatz das kleine Haus am großen Haus in der Deisenhofener Straße 18 zu Verfügung. Diese Bude mussten wir natürlich in Eigenleistung erstmal auf Vordermann bringen.

Im März 1981 hatten wir den Sonderzug zum Europacup nach Ostrau. Das liegt am östlichen Ende der heutigen Tschechischen Republik nahe der polnischen Grenze. Die Strecke führte uns über Prag wo wir am Bahnhof einen kleinen Zwischenstopp abhielten. In der Bahnhofsrestauration machten wir uns erstmal breit, aßen Gulasch und tranken russischen Krimsekt oder kühles Budweiser dazu. Draußen vor den Türen standen und staunten viele DDR-Bayernfans und wären gern zu uns hereingelassen worden. Dies wusste die Polizei zu verhindern. Jedenfalls wurde die Reise ab Prag eine regelrechte Chaotenfahrt. Negativer Höhepunkt dabei waren die Wurfgeschosse, die im Stadion auf uns einprasselten. Der blutende Christoph konnte danach ein Lied davon singen. Sportlich gab es einen 4:2 Bayernsieg. Zumindest nach Prag fiel die Rückfahrt wieder etwas gesitteter aus. Dies hinderte uns jedoch nicht im Speisewagen die letzten Kronen rauszuhauen.

Im April war ich mit einer kleinen Truppe in Liverpool. Wir nahmen den Hapag Lloyd Sonderflug. Dies war allein schon aufgrund des namhaften Gegners, der Stadt und natürlich des Stadions an der Anfield Road ein großartiges Erlebnis. Die Stimmung im Stadion war einfach super. Der Einsatz unserer Bayern auch. Sie ertrotzten sich ein gerechtes 0:0 Unentschieden. Mit viel Euphorie traten wir den Rückflug an, sangen zuvor den Engländern noch ein paar unserer Erfolgslieder und glaubten fest an ein Weiterkommen. Zwei Wochen später, nach dem Heimspiel in München, das 1:1 endete, waren wir aufgrund des Auswärtstores der Liverpooler ausgeschieden.

Ende Mai oder Anfang Juni war eine große Meute beim 4:1 Auswärtssieg in Gladbach. Dort wurde die 7. Deutsche Meisterschaft perfekt gemacht. War hier leider nicht dabei.

Im Oktober 81 genossen wir wieder einen schönen Europacup-Ausflug nach Portugal. Wir spielten gegen die Benfica in Lissabon. Eine Vielzahl an Südkurve 73 Mitgliedern waren dank Peter Dominitzkis Engagement mit dabei. Am Tag nach dem Spiel fand sogar ein kultureller Ausflug nach Estoril und Sintra statt. Für so manchen ein echtes Reisehighlight.

Gleich zu Anfang des Jahres 1982 fuhr man mit drei Bussen zum DFB-Pokalspiel nach Freiburg. Aufgrund des eiskalten Wetters war es eine beschwerliche Anreise und zu allem Überfluß wurde nach Ankunft am Freiburger Stadion das Spiel abgesagt. Der Platz war vereist und somit nicht bespielbar. Drei Busse voller Bayernfans waren da natürlich total angefressen. Um das Chaos zu komplettieren, streikte im dichten Schneetreiben einer der drei Busse genau auf Höhe Eichelberg bei Stuttgart. Rundherum saßen liegen gebliebene Fahrzeuge mir frierenden Insassen auf der Autobahn fest. Unsere Busfahrer hatten aber Glück. Unser Zetti konnte den Defekt am Bus beheben und es ging endlich in Richtung München weiter. Auf dieser verrückten Fahrt war ich gottlob nicht dabei, jedoch wurde noch lange darüber gesprochen.

Im März flogen wir nach Rumänien. Hatten zuerst einen Tag Aufenthalt in Bukarest. Danach den Weiterflug mit “Taram Airlines” nach Craiova zum Spiel gegen Universitatea. Wir gewannen mit 2:0 souverän. Zu unserem Entsetzen saß die Flugzeugcrew im Stadion direkt vor uns und haute sich die Schnäpse reihenweise rein. Eine grausame Erkenntnis für uns, aber grad schee wars. Sie brachten uns  trotz dieses falschen Treibstoffes sicher nach München zurück.

Im April stand dann die nächste Europapokalrunde an. Zum Auswärtsspiel gegen Sofia fuhren wir 25 Stunden mit dem Zug. Die zwei Nächte dort verbrachten wir praktisch ausschließlich in der Hotelbar. Die Whiskey-Cola Mischungen war nicht übel und sogar durchaus erschwinglich. Aber nur für diejenigen von uns die zuvor durch Schwarzumtausch einen Superdeal gemacht hatten. Manche wurden dabei aber auch geprellt. Reichenhaller und Benchen konnten davon ein Lied singen. Im Spiel selber waren wir nach gut einer Viertelstunde durch einen 0:3 Rückstand unseres FCB geschockt. Am Ende schaffte aber unser Team ein aussichtsreiches 3:4, also durch die drei Auswärtstore war alles noch drin. Die Rückfahrt im Zug war auch nicht schlecht. In Nis stiegen einige HSV-Fans zu. Dieser hatte im UEFA-Pokal gegen Radnicki Nis gespielt. Es gab aber keinerlei Zoff. Im Gegenteil, das gemeinsame Saufgelage im Abteil war enorm. Nachdem beim Zwischenstopp im Belgrad einige Nazilieder gegrölt hatten, wurden diese Fans von der Ordnungsmacht aus dem Zug geholt. Auch unser “James” war da dabei. Doch bei der Weiterfahrt waren dann doch wieder alle an Bord.

Zum Finale gegen Aston Villa in Rotterdam sag ich nichts. Ich war im Sonderzug sowieso nicht dabei. Damals bin ich mit Motz und Leo privat gefahren. Wir machten eine einwöchige Belgien-Holland-Tour.

Am 1. Mai ging es dann in einem proppenvollen Sonderzug nach Frankfurt. Im Waldstadion spielten wir im DFB-Pokalfinale gegen den Club. Das Vorspiel nach unserer Ankunft war schon legendär. Wir konnten dieses eindeutig für uns entscheiden. Leider war ich auch nach Frankfurt nicht im Sonderzug. Da wissen andere, auch du, viel mehr darüber. Unsere Mannschaft machte es uns jedenfalls sportlich nach und gewann das Finale 4:2 hochverdient. Unvergessen dabei unser Dieter Hoeneß mit Turban.

Im September starteten wir in der ersten Europapokalrunde nach Moskau. Viele Fanclubmitglieder flogen mit der AVA über Wien. Der Fischer Uli, der Motz und ich flogen mit der Aeroflot, da wir noch drei Tage in Leningrad verbringen wollten. Wir wurden leider einen ganzen Tag im Flughafen festgehalten, weil unser Visum falsch ausgefüllt war. Zum Glück kamen wir wieder frei und wir konnten unsere Südkurvler bei ihrer Landung dann doch abholen. Jetzt standen uns dann noch zwei interessante Tage in Moskau bevor, wobei auch hier die Hotelbau nicht vor unseren Bedürfnissen einknickte.

Ende Oktober diesen Jahres ging es dann nach London gegen Tottenham. Das erste Mal fuhr ich auf die Insel mit Zug und Fähre. Zuvor war ich schon dreimal mit dem Flugzeug dort. Wir waren wieder etliche gute Leute. Vor allem der “harte” Kern. Diejenigen also, die “International” oft dabei waren. Sogar zwei “blaue” waren mit dabei. Der “Schinken” und der Varga Franz. Beide ließen sich in London Glatzen schneiden. Dominitzki Peter hatte uns mal wieder ein nettes Hotel reserviert. Der zweitägige Aufenthalt in London war recht angenehm. Das Wetter war typisch “british”, nebelverhangen und regnerisch. Das Stadion an der White Hart Lane war super und unsere Bayern erkämpften sich ein 1:1 Remis. Meine Rückfahrt endete schon in Düsseldorf bei meinem Freund Helmut. Schließlich mußten wir schon am Samstag auf dem Bökelberg gegen die Borussia antreten. Dort sah ich auch den Lami zum ersten Mal. Das Spiel endete bei strömenden Regen 0:0, wobei Bayern rund eine Stunde nur mit zehn Mann spielte. Wolfgang Dremmler wurde vom Schiri vom Platz gestellt. Abends war dann für uns alle HalliGalli im Weißen Bären angesagt. Ziemlich geschafft kam ich nach einer Woche on Tour am Sonntag zuhause an. Erwähnen muß man noch das Rückspiel gegen die Tottenham Hotspurs. Das ist uns allen sicher noch in Erinnerung. War es doch das unvergessliche Nebelspiel im Olympiastadion, wo praktisch kaum einer etwas vom Spielfeld erkennen konnte. Angeblich war es eines der allerbesten Bayernspiele überhaupt. Nach dem 4:1 Ergebnis sollte man es auch wirklich glauben.

Anfang März 1983 unterlag Bayern mit 0:1 in Frankfurt. Ist ja nicht besonders erwähnenswert. Das einzige wäre, daß der Zetti es diesmal ausnahmsweise nicht ins Stadion geschafft hatte. Er war irgendwo in den Kneipen total versumpft. Abends haben wir ihn dann wieder in einer Kneipe getroffen. Dort in Sachsenhausen schlief er an einer Säule stehend ein. Das hat dem Wirt nicht gefallen und er gab im Lokalverbot.

Wohl auch im März verstarb ja dann leider viel zu früh unser Präsident Peter Dominitzki. Zum Peter Dominitzki selber wird es sicher in unserer Historie noch einige Gelegenheiten geben, wo sich auch andere Mitglieder seiner erinnern.

Kurz zuvor hat ja wohl der Dominitzki Kontakt mit dem angehenden Filmemacher der HFF München Andreas Reinhardt gehabt. Nach Peter’s Tod hast du dann mit der Filmcrew die Dokumentation “Einer aus der Südkurve” gedreht. Wie es dazu kam und über diesen Ablauf kannst du ja am allermeisten erzählen.

Der Dominitzki wollte auch noch anläßlich unseres 10-jährigen Bestehens an Pfingsten in Kroatien ein Fußballturnier für uns organisieren. Nachdem dann du die weitere Planung und Durchführung in die Hand nahmst, hast du und der Fanclub dann daraus das “Peter Dominitzki” - Gedächtnisturnier gemacht. Dieses war ja auch ein toller Erfolg und wurde ganz im Sinne vom Dominitzki durchgeführt.

In 1983 fällt mir erst wieder unsere Auswärtsfahrt nach Kaiserslautern auf den “Betze” ein. Dort konnten wir nach vielen Jahren endlich wieder einen Sieg feiern. Unser Auge erzielte das 1:0 und das Ganze in “Brasilien” ähnlichem Dress. Vor dem Spiel ging es schon in der Stadionwirtschaft hoch her. Bevor es dann ganz eskalierte und wir das Spiel verpassen würden, verliessen wir das Lokal. Einige von uns fuhren nach diesem Sieg nach Heidelberg um in der dortigen Altstadt zu feiern. Dort ist es immer um Welten schöner als in der pfälzischen Provinzstadt Kaiserslautern. Der Motz und ich fuhren dann auf der Heimfahrt im Tiefschlaf bis nach Rosenheim. Bald waren wir aber doch in München zurück und trafen noch Jacky & Co. im Fischerwirt. Da wir alle wieder ziemlich frisch waren, war es unvermeidlich einen “griabigen” Frühschoppen zu beginnen, der uns baldigst wieder in den Ursprungszustand versetzte.

Ach ja, vor der Lauternfahrt war ich noch mit den “Miedl-Brothers” und dem Hanne in der Mannschaftsmaschine zum UEFA-Cupspiel nach Saloniki geflogen. Da waren wir glaube ich die einzigen vom Fanclub.

Das nächste Highlight ist erst wieder das Pokalfinale gegen Gladbach. Dieses gewannen wir mit 7:6 nach Elfmeterschießen. Das Finale fand das letzte Mal im Frankfurter Waldstadion statt, bevor es ab 1985 nach Berlin zog. Ob es zum Sonderzug was besonderes zu erzählen gibt, weiß ich nicht, da ich wieder mal privat gefahren bin. Lothar Mathäus spielte beim Elferschießen für ihn selber eine besonders tragische Rolle, da er seinen verschoß. Als neuem Bayernspieler haben die Gladbacher-Fans ihm jahrelang Absicht unterstellt.

Im August zur neuen Saison fuhren etliche in einem Sonderwagen der Bahn zum Bundesligaspiel nach Bielefeld mit. Da war dann ein kleines Gezeter im Zug. U.a. gingen wohl einige Scheiben zu Bruch. Jedenfalls wurde unser Wagen in Nürnberg abgehängt und alle Mitfahrer mit Mannschaftsbussen der Polizei aufs Revier gebracht. Dort wurden dann die ganze Nacht die Personalien jedes Mitfahrers aufgenommen. Morgens brachte uns dann eine Eskorte zum Bahnhof zurück. Ein Intercity fuhr dann mit uns Richtung Bielefeld. Natürlich hatten wir eine Menge Mitfahrer in Grün die um “unsere” Sicherheit bemüht waren. Erst um halb zwei Nachmittags kamen wir in Bielefeld an. Unser Neuzugang “Wiggerl” Kögl, der vom Vier-Zahlen-Verein zu uns kam, spielte in dem Spiel groß auf. Der FCB gewann mit 3:1 und wir hatten doch noch was zu feiern. Durch die aufgedrückte Kollektivschuld der Polizei und der Bahn mußte jeder von uns dann später rund 35 Mark an die Bahn als Wiedergutmachung überweisen.

Dieses war dann auch meine letzte vom Fanclub organisierte Reise, an der ich teilnahm. Von da an fuhr ich meine Fahrten alle privat und zwar sehr oft mit unserem Zetti. Auch vom Fanclub zog ich mich mehr und mehr zurück, sodaß ich über die nachfolgende Zeit nichts mehr berichten könnte.

Ich weiß nur noch, daß im Mai 1987, kurz vor dem Europapokalfinale in Wien, ein Treffen von Ehemaligen im Fanclub in der Deisenhofener stattfand. Da trafen sich dann doch wieder einige von uns mit allen damals aktuell Aktiven dort.

Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, daß das Haus in der Deisenhofener Straße 18, vom Fanclub Südkurve ‘73 mit Abstand am längsten genutzt wurde und wird.

Soweit nun der Bericht bzw. die Aufzeichnungen von mir. Ich bin überzeugt, daß eine Menge anderer Ehemaliger noch viele Geschichten und Anekdoten erzählen können.

 

Lieber Hermann,

vielen Dank für Deine z.T. sehr amüsanten und interessanten Erinnerungen. Du hast ja bei Deinen Notizen und Stichpunkten eine Menge zu Papier gebracht. Ich mußte beim weiterverarbeiten kaum etwas verändern. Es war schon fast lesereif geschrieben.

Dies ist auch ein Aufruf an alle anderen Ehemaligen und die heute Aktiven. Schreibt mir was ihr noch wißt, oder zu wissen glaubt. Manchmal waren wir ja nicht ganz fit, oder? Es spielt dabei keine Rolle ob es aus den 70er Jahren oder aus der sog. “Neuzeit”  stammt. Aber eines muß auch klar sein! Die Anekdoten müssen auch zu veröffentlichen sein. Bei besonders kritischen Details werde ich ggf. die Betroffenen zu Rate ziehen und nur mit deren Einverständnis und mit einer Portion gesundem Menschenverstand entscheiden, welche Dinge publiziert werden können und welche nicht.

Grüße an alle

Edi

 

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